Virtuelle Realität in der Fertigung: Wie sich Schulungslücken mit immersiven Technologien schließen lassen

November 28, 2025 | Ian Menzies

Da Fertigungsumgebungen immer komplexer werden, war der Bedarf an effektiven und skalierbaren Schulungskonzepten noch nie so hoch wie heute. Traditionelle Methoden wie Präsenzschulungen, Anlernen durch Mitlaufen (Job Shadowing) und statische Videos reichen nicht mehr aus, um Mitarbeitende auf risikoreiche und hochpräzise Aufgaben vorzubereiten.

In Episode 59 der Digitalization Tech Talks erläutern Experten von ATS Industrial Automation, wie virtuelle Realität (VR) Herstellern dabei hilft, aktuelle Schulungsherausforderungen zu bewältigen, eine leistungsfähigere Belegschaft aufzubauen und intelligentere Wartungs- sowie Leistungsanalysen zu ermöglichen.

Lesen Sie weiter, um die wichtigsten Erkenntnisse der Episode zu erfahren, und hören Sie anschließend das vollständige Gespräch.

Die Schulungslücke in der modernen Fertigung

Hersteller stehen bei der Einarbeitung und Weiterbildung von Mitarbeitenden vor zahlreichen Herausforderungen – von Sicherheitsrisiken bis hin zu Wissenslücken. Hohe Fluktuationsraten führen dazu, dass Unternehmen kontinuierlich neue Mitarbeitende schulen müssen, häufig ohne standardisierte Prozesse über Abteilungen oder Standorte hinweg.

Zudem herrscht häufig ein Mangel an qualifizierten Ausbildenden, und Produktionsanforderungen begrenzen die verfügbare Zeit für praktische Schulungen. In vielen Fällen ist das Training an realen Anlagen entweder störend für den Produktionsablauf, mit Sicherheitsrisiken verbunden oder schlicht nicht möglich.

Sicherheits- und Compliance-Anforderungen erhöhen die Komplexität zusätzlich. In Hochrisikoumgebungen wie Kernkraftwerken oder chemischen Anlagen kann der Zugang zu Schulungszwecken aufgrund der hohen Gefährdung eingeschränkt sein. Diese Einschränkungen erschweren es, sicherzustellen, dass Mitarbeitende ausreichend vorbereitet sind, bevor sie in realen Situationen arbeiten.

Warum herkömmliche Methoden nicht ausreichen

Konventionelle Schulungsformate bilden den Druck und die Komplexität realer Fertigungsumgebungen oft nicht ausreichend ab. Passive Lernmethoden wie Videos oder Vorträge binden die Lernenden kaum ein und fördern nicht das Behalten kritischer Informationen. Zudem sind diese Ansätze häufig nicht individualisiert und berücksichtigen weder unterschiedliche Lernstile noch verschiedene Qualifikationsniveaus.

Zeitliche Einschränkungen sowie eine Informationsüberflutung verringern zusätzlich die Wirksamkeit traditioneller Trainingsmethoden. Mitarbeitende sollen große Informationsmengen in kurzer Zeit erfassen, was zu Verständnislücken führen kann. Darüber hinaus halten diese Methoden mit der rasanten Entwicklung von Fertigungstechnologien kaum Schritt.

Der Vorteil von VR: immersiv und sicher

Durch die Simulation realer Aufgaben in einer kontrollierten Umgebung ermöglicht VR praxisnahes Lernen ohne die Risiken physischer Anlagen. Lernende können Abläufe wiederholen, um Sicherheit zu gewinnen und komplexe Fähigkeiten in ihrem eigenen Tempo zu erlernen.

Ein besonders wirkungsvolles Merkmal von VR-Trainings ist die Gamification. Trainingsmodule sind wie Spiellevel aufgebaut – beginnend mit geführten Anweisungen und visuellen Hinweisen, die im Verlauf schrittweise reduziert werden. Dieser Ansatz steigert das Engagement und unterstützt die Entwicklung von Problemlösungskompetenzen, während er gleichzeitig zur kontinuierlichen Weiterbildung motiviert.

VR-Training ist zudem besonders wertvoll in Hochrisikobranchen. Immersive Simulationen ermöglichen es Mitarbeitenden, kritische Wartungsaufgaben – wie das Betreten von Reaktorkammern oder das Ausführen schwerer Hebevorgänge – zu üben, ohne Strahlung oder anderen Gefahren ausgesetzt zu sein. Diese Szenarien können beliebig oft wiederholt werden und gewährleisten so Sicherheit und Compliance.

Wie Hersteller VR einsetzen

Virtuelle Realität wird in zahlreichen Fertigungsanwendungen eingesetzt, insbesondere für die Schulung von Bedienpersonal, etwa bei Materialnachschub, Produktwechseln und routinemäßiger Wartung. Diese Tätigkeiten sind entscheidend für einen reibungslosen Produktionsablauf und können Stillstandszeiten erheblich reduzieren.

Standardisierte VR-Module für spezifische Maschinen ermöglichen zudem die Skalierung von Schulungsmaßnahmen. Einmal entwickelt, können diese Module an mehreren Standorten eingesetzt werden, was VR zu einer kosteneffizienten Lösung macht.

Erfolg messen: Daten und Analysen im VR-Training

Über die immersive Erfahrung hinaus liefert VR wertvolle Daten zur Bewertung der Trainingseffektivität.

Einer der größten Vorteile besteht in der Generierung umsetzbarer Daten, etwa zu Fehlhandlungen, Zögerpunkten und häufigen Fehlern. Diese Erkenntnisse helfen, Schulungsinhalte gezielt zu verbessern.

Zudem unterstützen diese Daten Prozessoptimierungen. VR kann beispielsweise Lean-Management-Szenarien simulieren, sodass Teams Anpassungen virtuell testen können, bevor sie in der realen Produktion umgesetzt werden.

VR ist nicht nur ein Trainingswerkzeug, sondern eine Analyseplattform zur Leistungssteigerung.

Erste Schritte: Einführung von VR-Training

Die Einführung von VR erfordert keine umfassende Umstellung. Erfolgreiche Implementierungen beginnen meist mit einem klar definierten Anwendungsfall und einer flexiblen Herangehensweise.

Da nicht alle Lernenden VR-Headsets nutzen möchten, gewinnen Plattformen mit mehreren Zugangsformaten an Bedeutung, etwa über Desktop-Anwendungen.
Durch die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Automatisierungspartner wie ATS können Fertigungsunternehmen Technologien effektiv auf ihre Geschäftsziele abstimmen.

Ausblick: Die Zukunft immersiver Technologien

Die Entwicklung immersiver Technologien steht noch am Anfang. Augmented Reality (AR) wird Schulungen durch die Einblendung von Echtzeitdaten erweitern. Spatial Computing ermöglicht intuitive Interaktionen mit virtuellen Umgebungen.

Vernetzte Arbeitsplattformen verbinden digitale Arbeitsanweisungen mit Live-Betriebsdaten. Diese Entwicklungen machen immersive Technologien zu einem zentralen Bestandteil der Smart Factory.

FAQ: Antworten auf die wichtigsten Fragen zum VR-Training

Wie verbessert VR Sicherheits- und Compliance-Schulungen?

VR ermöglicht das sichere Üben kritischer Aufgaben in kontrollierten Umgebungen.

Welche Anwendungsfälle profitieren besonders?

Wartung, Montage, Sicherheitsprozesse und Bedienerschulungen.

Welche Analysen bietet VR?

Daten zu Fehlern, Zögern und Leistungsentwicklung.

Herausforderungen bei der Einführung?

Kosten, Integration und Akzeptanz.

Zukunftsausblick?

AR, Spatial Computing und vernetzte Plattformen.

Jetzt anhören

Bereit für das vollständige Gespräch? Hören Sie jetzt Episode 59 der Digitalization Tech Talks und erfahren Sie, wie ATS Industrial Automation und Siemens die Zukunft der Fertigungsschulung gestalten.

Wichtigste Erkenntnisse aus Episode 59

Jedes Projekt ist einzigartig. Wir möchten uns Ihre Herausforderungen anhören und Ihnen mitteilen, wie Sie Ihr Projekt durch Automatisierung rechtzeitig auf den Weg bringen können.

Weitere Ressourcen

Ian Menzies

Vice President, Technology

ATS Industrial Automation

ATS Industrial Automation Ian verfügt über mehr als 17 Jahre Erfahrung und leitet hochkarätige Designprojekte von der Konzept- und Machbarkeitsphase bis zur Inbetriebnahme. Seine technische Expertise im Asset Management sowie in der technischen Due Diligence gewährleistet optimale Lösungen für Kunden und steigert deren operative Effizienz und Erfolg.